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Großer Gewichtsunterschied beim Sichern – was tun?

Ein Standard-Problem, das wir immer wieder beobachten können, ist die Situation eines großen Gewichtsunterschiedes in einer Sportkletterseilschaft. Während ein verhältnismäßig schwerer Sicherer beim Sichern eines relativ leichten Kletterers höchstens auf agiles und angepasst weiches Sichern achten sollte, sieht sich ein relativ leichter Sicherer unter anderem mit folgenden Problemen konfrontiert:

  • Gefahr des Kontrollverlusts durch Angehobenwerden und Anprall an die Wand
  • Nicht ausreichende Handkraft

Im Extremfall können diese Schwierigkeiten bis zu schwerwiegenden Unfällen führen, sei es durch Anprall, Absturz, Verbrennung oder Kollision. In diesem Artikel wollen wir Euch einige Möglichkeiten darstellen, wie Ihr dieses Problem entschärfen, wenn nicht sogar teilweise beseitigen könnt. Ihr müsst Euch also nicht gleich einen neuen Sicherungspartner suchen, vielleicht können wir Euch helfen!

Was ist nun eigentlich ein zu großer Gewichtsunterschied?

Im Vorstieg sollte der Unterschied  125 % nicht überschreiten, in Zahlen 60 zu 75 Kilo.

Im Toprope ist etwas mehr drin, da man mit deutlich geringeren Sturzhöhen rechnen darf. Allerdings ist auch hier bei 150% Schluß, zum Beispiel darf ein Sicherer mit 60 Kilo nur einen Kletterer mit 90 Kilo sichern.

Diese Werte stellen bereits Limits dar, bei Anfängern oder ungünstigen Bedingungen ist schon früher Vorsicht geboten! Andererseits kann ein sehr erfahrener und aufmerksamer Sicherer auch eine etwas heiklere Situation meistern.

Bei Kindern gilt das oben genannte nur sehr bedingt, zu diesem Problem unten mehr!

Maßnahmen:

Besondere Aufmerksamkeit und perfektes Sicherungsverhalten!

Die erste Maßnahme klingt eigentlich am einfachsten, ist aber in der Praxis offensichtlich am schwersten durchzuführen: in Seilschaften mit großem Gewichtsunterschied ist es noch wichtiger, die gängigsten Sicherungsfehler wie Schlappseil, zu weiter Abstand von der Wand und überstrecktes Klippen zu vermeiden. Diese Fehlerbilder haben nämlich in dieser Konstellation noch weit gravierende Auswirkungen!

Verwendung eines Halbautomaten!

Wenn ein großer Gewichtsunterschied in der Seilschaft besteht, ist die Verwendung eines Halbautomaten wie GriGri, Smart oder Clickup eigentlich schon Pflicht. Damit löst Ihr das Problem der zu geringen Handkraft sofort und reduziert die Folgen eines Kontrollverlusts und Anpralls. Nicht selten lässt der Sicherer in diesen Fällen nämlich aus Selbstschutz oder Verletzung das Bremsseil los, mit dementsprechenden Folgen.

Vorklippen der ersten Haken!

Eine sehr gute Möglichkeit die Situation „schwere Stelle in unmittelbare Bodennähe“ zu entschärfen ist das Vorklippen der ersten Haken. So klettert der schwerere Vorsteiger die ersten zwei bis drei Haken sozusagen im Top-rope und erst weiter oben, sozusagen in sicherer Höhe geht er in den Vorstieg über. Das Vorklippen kann an der Kunstwand über eine leichtere oder benachbarte Route geschehen, kann vom Partner oder mittels Clipp-Stick durchgeführt werden. Streng genommen ist es dann zwar kein ganz astreiner Rotpunkt-Durchstieg aber immer noch besser als eine rote Nase, oder? Übrigens: Sogar auf Topniveau verwenden Profis in sehr schweren Touren diese Methode, Vorklippen der ersten zwei Haken aus Sicherheitsgründen wird allgemein aktzeptiert!

Zusätzlicher Tipp: wenn Ihr den ersten Haken an der Kunstwand auslasst und Ihr erst den zweiten und dritten Hake vorklippt, hat Euer Sicherungspartner mehr Bewegungsspielraum und wird im Sturzfall nicht ganz so hart an die Wand gezogen.

Zusätzliches Klippen eines Haken in der Nachbarroute!

Eine weitere Methode ist es, durch bewussten ZigZag- Verlauf des Seils die Reibung in der Sicherungskette zu erhöhen. Damit vermindert sich der Sturzzug auf den Sicherer. Die beste Variante ist, den ersten Haken der Nachbarroute einzuhängen und erst dann die Haken in Eurer Route. Diese Maßnahme hat allerdings ihre Grenzen wenn die Kletterhalle sehr voll ist, keine geeignete Nachbarroute da ist (z.B.: hoher erster Haken am Fels) oder ähnliches. Außerdem krangelt manchmal das Seil und logischerweise muss der Kletterer auch mehr Seilzug tolerieren.

Verwendung eines Zusatzgewichtes!

In vielen Hallen stehen Euch Zusatzgewichte, meist Sandsäcke, zur Verfügung. Diese werden beim Sichern über eine Schlinge in den Anseilring eingehängt. Damit erhöhst Du dein Gewicht um einige Kilo. Allerdings ist bei der Verwendung von Zusatzgewichten die Verwendung von blockierenden Sicherungsgeräten Pflicht, da die Bremshand noch mehr halten muss, wenn das Anheben des Sicherers unterbunden wird!

Am Fels, wo Euch kein Hallenbetreiber mit Sandsäcken aushelfen kann, kannst du Dir dein Zusatzgewicht mittels Rucksack und Inhalt leicht selber bauen. Schon 10 Kilo (das kommt mit Wasserflaschen, Karabinern und Seil leicht zusammen) helfen ungemein!

Achtung bei Selbstsicherungsschlingen!

Vorsicht ist bei der Verwendung von Selbstsicherungsschlingen zur Lösung des Gewichtsproblems geboten. Sie sollten auf keinen Fall an der Wand befestigt werden, sondern nach hinten unten (Wurzeln, Steine, Bäume). Bei Fixierung an der Wand wird der Sicherer nach kurzem Anheben von der Selbstsicherungsschlinge auf einer Kreisbahn gegen die Wand gezogen, was einen sehr harten Anprall zur Folge hat. AUA!

Wenn Ihr Euch für die Lösung mit Selbstsicherungsschlinge entscheidet, ist auch hier ein blockierendes Gerät angesagt!

Vorsicht mit Kindern!

Die vorgestellten Lösungen sind Lösungsvorschläge für das Problem Gewichtsunterschied. Bei Kindern kommen noch weitere Probleme hinzu, die mit den vorgestellten Maßnahmen nicht gelöst sind: geringere Handkraft, kürzere Aufmerksamkeitsspanne und leichtere Ablenkbarkeit sowie Überforderung durch komplexe und stressige Abläufe sind nur ein paar der Probleme. Ihr tut Euren Kindern keinen Gefallen, wenn Ihr sie im besten Fall einer Stress- bzw. Überforderungssituation, im schlimmsten Fall einem Trauma aussetzt. Und übrigens: auch beim „nur-mal-schnell-ein-Toprope-einhängen“ kann sich ein Griff drehen oder ein Tritt brechen.

Wenn wir Euch mit diesem Lösungsvorschlägen ein wenig helfen können, ist schon viel passiert. Am besten, Ihr probiert diese Möglichkeiten zuerst einmal in leichtem Gelände aus, wenn Euch das Problem eines großen Gewichtsunterschiedes betrifft. Später könnt Ihr sie dann in schwereres Gelände oder auch nach draußen übertragen. Wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr Euch jederzeit an uns wenden.

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2 thoughts on “Großer Gewichtsunterschied beim Sichern – was tun?

  1. 1.Seit wann werden denn Smart und Click Up zu den Halbautomaten gezählt? Ein Halbautomat funktioniert auch in dem Fall des „Bremshandversagens“.
    –>Das können beide Geräte NICHT!

    2.Zum Thema Equalizer ist zu sagen das diese nur bei einwandfreier Handhabung funktionieren. D.h. Das Zusatzgewicht ist zu jeder Zeit der Benutzungsdauer „gespannt“ (auf Zug belastet). Nämlich bei nichtbelastung kommt die resultirende Kraft ins Spiel, und die deht in diesem Fall ziemlich frontal Richtung Wand.

    1. Hi Stefan!
      Streng genommen, also genauer gesagt nach der UIAA Normempfehlung hast du recht, ein Halbautomat müsste für die beschriebenen Seildurchmesser ohne Bremshand blockieren etc.. Hast gut aufgepasst, Respekt! Allerdings wurde der Begriff mittlerweile in mehreren Fachveröffentlichungen aufgeweicht und für „blockierende Geräte+Autotuber“ verwendet, außerdem gäbe es ja dann nur zwei einwandfreie HA. Somit macht es sprachlich Sinn den Begriff zu verwenden, technisch gebe ich Dir recht. Nur weiß dann eben keiner was ich sagen will. Trotz der Tatsache, dass Smart und Clickup unter ungünstigen Umständen durchrutschen sind sie bei großem Gewichtsunterschied tausendmal besser als z.B. Tuben da sie bei halbwegs richtiger Handhabung die Bremshand extrem entlasten.
      Wegen zweitens: wenn der Sack bei richtiger Standposition seitlich hinter Dir liegt, muss er nicht straff sein um seinen Zweck zu erfüllen.

      Danke fürs Feedback! Bis bald!

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